Suche im Computerlexikon
Belichtung nennt sich in der Fotografie der Prozess, bei dem das durch das Objektiv einfallende Licht auf einen analogen Fotofilm oder elektronischen Bildsensor einwirkt, um daraus fotografisches Bild zu erzeugen. Das Entstehen eines „korrekt belichteten“ Bildes, das heißt eines fotografischen Ergebnisse, das in seiner Darstellung der Vorstellung des Fotografen entspricht, hängt von den Eigenschaften des zu fotografierenden Motives (z. B. Beleuchtungsverhältnisses, Reflexionen, schnelle Bewegungen) und den Eigenschaften der Fotoausstattung ab (bei Kamera und Film die Lichtempfindlichkeit, abbildbarer Kontrastumfang, gewählte Verschlusszeit und Blende).
Rein physikalisch betrachtet ist eine Belichtung immer das Produkt aus Beleuchtungsstärke (Stärke des Lichts, das auf de Film/Sensor fällt). und Belichtungszeit (Zeitspanne, die das Licht auf den Film/Sensor fällt). Bei Kameras wird Letzteres durch die Verschlusszeit eingestellt, d. h. die Zeitdauer, für die das optische System für den Lichteinfall geöffnet wird.
Der Lichteinfall wird außerdem durch die sogenannte Blende geregelt (engl. „aperture“ für Öffnung). Dies ist eine ringförmige, mechanische Vorrichtung zur Abschaltung des Lichteinfalls in das optische System, die sich in Stufen öffnen und verschließen lässt (vergleichbar der menschlichen Pupille). Die Öffnung der Blende wird über die sogenannte Blendenzahl angegeben (ohne Dimensionsangabe). Sie wird als Bruchteil der eingestellten Brennweite (f) des verwendeten Objektivs angegeben (f/2.8, f/3.5, f/11, f/22 etc.). Kleinere Blendenzahlen entsprechen daher – bei gleichbleibender Brennweite – einer grösseren Blendenöffnung. Meist wird nicht der Bruch angegeben, sondern nur der Nenner genannt (f3 bzw. 3 entspricht also einer grösseren Öffnung als f/4 bzw. 4).
Diese Blendenzahl wird außerdem benutzt, um die wichtige fotografische Lichtstärke (Lichtdurchlässigkeit) eines Objektives anzugeben. Als Mass nimmt man die kleinste, noch (unter bestimmten Bedingungen) verwendbare Blendenzahl. Beträgt diese beispielsweise 3,5 würde die korrekte Angabe für die Lichtstärke 1/3,5 sein. Üblicherweise wird aber kein Bruch angegeben, sondern nur der Nenner und dem ein großes „F“ vorgestellt (z. B. F 3.5). Man findet diesen F-Wert oft am Rand von Objektiven aufgeprägt. Je kleiner dieser ist, desto besser (weil oft nur einen relativ schlechten Wert von F 3,5. Bessere Kameras kommen auf F 2,8 – hochwertige Wechselobjektive einiger Spiegelreflexkameras bieten F 1,8.
Durch Variation der Blendenöffnung wird der Lichteinlass/Lichteinfall also vergrößert oder verkleinert. Dabei bestimmt die Blende außerdem die sogenannte Tiefenschärfe (auch Schärfentiefe genannt), die ein Mass für den (Abstands-) Bereich ist, über den ein Motiv vor dem Objektiv ohne sonstige Korrektur scharf erscheint. Je enger eine Blende geschlossen ist, desto grösser ist die Tiefenschärfe. Bei Überschreiten eines Grenzwertes der Blendenöffnung (dem sogenannten Zerstreuungskreisdurchmesser) wird das gesamte Bild unscharf. Meistens ist eine grosse Tiefenschärfe gewünscht bzw. vorteilhaft; bei Porträtfotos und ähnlichen Aufnahmen ist jedoch oft eine Ablichtung mit geringer Tiefenschärfe gewünscht.
Es ist also erst die Kombination aus Blendenöffnung und Verschlusszeit, die die tatsächliche Belichtung regelt. Wenn viel Licht zur Verfügung steht, wählt man in der Regel eine kleine, eng geschlossene Blende, um Überbelichtungen zu vermeiden und eine grössere Tiefenschärfe nutzen zu können. Ohne enge Blende würde ein starker Lichteinfall sonst schnell dazu führe, dass helle Teile des Bildes nur noch als weiße Flächen zu sehen wären. Dunkle Motive erfordern dagegen eine weiter geöffnete Blende, um so viel Licht wie möglich einzulassen und Unterbelichtung zu vermeiden. Ansonsten würden dabei dunkle Teile des Bildes in Schwärze versinken und kaum mehr Details zeigen.
Die Verschlusszeit spielt noch eine zweite, wichtige Rolle: Je länger sie ist, umso mehr kann sich auch eine mögliche Veränderung des Motivs während der Öffnung der Blende auf das fotografische Ergebnis auswirken. Beispielsweise lässt sich der Bewegungsablauf eines Sportlers nur mit einer sehr kurzen Verschlusszeit als „scharfes Standbild“ fotografisch festhalten. Ist die Verschlusszeit zu lang, führt die Bewegung des Sportlers während der Belichtung zu einer „Bewegungsunschärfe„, weil die bewegten Körperteile über den gesamten Bewegungsverlauf zugleich abgebildet werden. Man kann diesen Effekt aber auch gezielt bzw. „künstlerisch“ zur Verfremdung einsetzen, beispielsweise bei Fotografieren des Wassers in einem Bach. Eventuell durch Vorschalten eines Graufilters bewirkt man eine längere Belichtungszeit, in der das sich bewegende Wasser durch die Bewegungsunschärfe wie zu einem „gemalten“ Verlauf verwischt. Bei sehr dunklen Motiven, die sich nicht oder wenige bewegen (z. B. Sterne am Nachthimmel), kann man durch eine lange Verschlusszeit für ausreichend Licht sorgen, um doch noch ein gutes Foto hinzubekommen.
Bei Einstellung langer Verschlusszeiten und einem Fotografieren aus der Hand ist jedoch zu beachten, dass es leicht zu Verwacklungen (durch Handbewegungen/Zittern) kommen kann. Zur Kompensation kann man versuchen, sich aufzustützen, oder besser noch auf ein Stativ zurückzugreifen. Dies verfügt meist über einen oder zwei Standfüsse, eine Kamerabefestigung und Möglichkeiten, die Kamera exakt in einer gewünschten Position auszurichten. Aufnahmen bei Dämmerung oder gar Nacht sind mit handelsüblichen Digitalkameras quasi nicht ohne Stativ realisierbar.
Ein Vorteil von Spiegelreflexkameras ist die Möglichkeit, durch das optische System der Kamera schauen zu können und somit zu sehen, wie sich die gewählt Blende auf die Bildgestaltung auswirkt. Hierzu müssen entsprechende Kameras über eine sogenannte „Abblendtaste“ verfügen. Wird diese gedrückt, wird die Arbeitsblende der Kamera aktiviert und das Ergebnis der Einstellungen sichtbar (ansonsten wird der Blick stets durch eine Standardblende geleitet). Verfügt eine Kamera über keine Abblendtaste, sieht man die Auswirkungen einer Blendenveränderung nicht im Sucher (bzw. auf dem TFT-Display) – und man kann sie nur im fertigen Bild beurteilen.
Die meisten Digitalkameras bieten eine Belichtungsautomatik, die die Kombination von Blende und Verschlusszeit steuert. Dabei unterscheidet man verschiedene Verfahren/Modi: die Zeitautomatik (die Blende wird manuell eingestellt – die Kamera wählt dazu automatisch die Verschlusszeit), die Blendenautomatik (Verschlusszeit wird manuell gewählt – die Kamera bestimmt die Blendenöffnung) oder die Vollautomatik (Verschlusszeit und Blendenöffnung werden automatisch gewählt). Viele Kameras bieten außerdem verschiedene Vollautomatik-Programme, passend zu häufigen Fotosituationen wie Porträts und Landschafts- oder Nachtaufnahmen. Hier sind für solche Situationen typische Kombinationen aus Verschlusszeit und Blendenöffnung vorbestimmt. Es loht sich meistens, diese Programme zu nutzen, denn damit können auch Laien ohne grosse Fotografierkenntnisse gute Fotos aus schwierigen Situationen herauskitzeln.